Biodesign · Aerodynamik · Visionen für eine bewegte Zukunft

Die Nancyhalle Karlsruhe

Ein architektonisches Juwel aus der Hand von Prof. Erich Schelling – Geschichte, Bedeutung und der Weg zur Wiederbelebung.

Die Nancyhalle als Kulturdenkmal von internationalem Rang

Es gibt Bauwerke, die wirken auf den ersten Blick zurückhaltend und entfalten ihre eigentliche Wucht erst, wenn man genauer hinschaut. Die Nancyhalle in Karlsruhe gehört zweifellos zu dieser Kategorie. Wer sich ihr aus der Ferne nähert, sieht zunächst eine klar gegliederte, fast schlichte Halle, die sich harmonisch in ihre Umgebung einfügt. Doch sobald man den Innenraum betritt, eröffnet sich ein Erlebnis, das nicht von ungefähr Generationen von Architekturbegeisterten in seinen Bann gezogen hat. Die weite, säulenfreie Spannweite des Daches, die geschickte Lichtführung, die Proportionen des Raumes – all das macht das Bauwerk zu einem ganz besonderen Ort, an dem man die Handschrift eines außergewöhnlichen Architekten unmittelbar spürt. Es war der international renommierte Prof. Erich Schelling, der dieses Werk geschaffen hat und dessen Name eng mit der Karlsruher Baugeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts verknüpft ist.

Schellings Werk steht in einer Reihe mit großen Namen der Nachkriegsmoderne, und die Nancyhalle gilt vielen Kennern als eines seiner herausragenden Werke. Das mag erklären, warum der Vorschlag, die Halle einfach abzureißen und durch einen funktionalen Neubau zu ersetzen, in der Fachwelt für lautes Entsetzen sorgte. Die Diskussionen um den Erhalt waren in den vergangenen Jahren mehr als einmal hitzig, und es bedurfte beharrlicher Überzeugungsarbeit, um den Wert dieses Bauwerks ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Der Förderverein Colani-Museum hat in dieser Auseinandersetzung eine wichtige Rolle gespielt und konnte zeigen, dass die Nancyhalle weit mehr ist als ein in die Jahre gekommener Veranstaltungsort. Sie ist ein architektonisches Zeugnis von hoher Ausstrahlungskraft, das es zu bewahren gilt.

Erich Schelling – ein Architekt mit eigener Handschrift

Wer war dieser Erich Schelling, dessen Name heute selbst in Karlsruhe nicht mehr jedem geläufig ist? Geboren zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, prägte er als Hochschullehrer und Praktiker Generationen von Studierenden und realisierte zahlreiche Bauten, die zu Wahrzeichen ihrer jeweiligen Standorte wurden. Sein Stil zeichnete sich durch eine konsequente Klarheit der Formen aus, kombiniert mit einer bemerkenswerten Kühnheit beim Einsatz tragender Strukturen. Schelling war ein Architekt, der keine Angst vor weiten Spannweiten hatte und der die ingenieurtechnischen Möglichkeiten seiner Zeit ausreizte, ohne dabei je in plumpe Effektmacherei zu verfallen. Seine Bauten wirken auch heute, viele Jahrzehnte nach ihrer Errichtung, erstaunlich frisch und keineswegs zeitgebunden. Genau diese Qualität macht den Reiz seiner Werke aus, und die Nancyhalle ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel.

Wer mehr über die kulturellen Hintergründe und den Zusammenhang mit dem Lebenswerk Luigi Colanis erfahren möchte, dem empfehlen wir unsere Seite Luigi Colani. Auch unsere Startseite beleuchtet die Verbindung beider Persönlichkeiten und die Bedeutung dieses Zusammenkommens für die Stadt Karlsruhe.

Architektonische Besonderheiten der Halle

Beim genauen Hinsehen offenbart die Nancyhalle eine ganze Reihe von gestalterischen Finessen, die ihr architektonisches Gewicht ausmachen. Da ist zum einen die bereits erwähnte freie Spannweite, die für eine Halle dieser Größenordnung in der Bauzeit eine echte ingenieurtechnische Leistung darstellte. Da ist zum anderen die kluge Einbindung von Tageslicht, die den Innenraum auch ohne grelle Beleuchtung lebendig wirken lässt. Hinzu kommen die Materialwahl und die handwerkliche Ausführung, die in vielen Details eine Sorgfalt erkennen lassen, wie sie heute kaum noch anzutreffen ist. Wer sich für die feinen Aspekte interessiert, findet hier eine Übersicht der wichtigsten Merkmale.

Bauliche Highlights im Überblick

  • Großzügig dimensionierte, säulenfreie Haupthalle mit beeindruckender Raumwirkung
  • Filigranes Dachtragwerk als ingenieurbaulicher Glanzpunkt der Nachkriegsmoderne
  • Klare, ruhige Fassadengliederung ohne überflüssige Schmuckelemente
  • Ausgeklügelte Tageslichtführung über Oberlichter und Seitenfenster
  • Hochwertige Materialien und sorgfältige handwerkliche Detailausführung
  • Denkmalschutzstatus aufgrund der herausragenden architektonischen Qualität

Die Ausstellung „Mobilität und Aerodynamik“

Zwischen 2004 und Ende 2007 erlebte die Nancyhalle ihre wohl spannendste Phase der jüngeren Vergangenheit. Der Förderverein Colani-Museum hatte die Räumlichkeiten mit einer hochkarätigen Ausstellung über das Lebenswerk des Stardesigners Prof. Luigi Colani belebt. Unter dem Titel „Mobilität und Aerodynamik“ wurden Fahrzeuge, Studienmodelle, Skizzen und Konzeptarbeiten gezeigt, die einen tiefen Einblick in das Denken und Schaffen des international tätigen Designers gaben. Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland strömten in die Halle und erlebten dort eine Ausstellung, die in dieser Form an wenigen anderen Orten der Welt zu sehen gewesen wäre. Die Kombination aus dem architektonischen Erbe Schellings und der futuristischen Formensprache Colanis ergab eine Atmosphäre, die viele bis heute in Erinnerung haben.

Leider war es trotz aller Bemühungen, trotz öffentlicher Veranstaltungen und intensiver Presseberichterstattung nicht möglich, dieses Projekt dauerhaft in Karlsruhe zu verankern. Im Dezember 2007 schloss die Ausstellung ihre Tore, nachdem die Stadt Karlsruhe dem Designer die Räumlichkeiten gekündigt hatte. Seitdem ist die Halle wieder in einen Zustand der Stille zurückgekehrt, den manche Beobachter als Tiefschlaf bezeichnen. Doch dieser Schlaf muss nicht ewig dauern, und der Verein arbeitet weiter daran, eine sinnvolle Zukunftsperspektive für das Bauwerk zu skizzieren.

Wie geht es weiter mit dem Bauwerk?

Aktuell sucht die Stadt Karlsruhe nach einer neuen Bestimmung für die großzügigen Räumlichkeiten. Die Idee eines „Lab Ka“, also einer experimentellen Forschungs- und Ausstellungsfläche, wurde schnell wieder ad acta gelegt, was bei vielen Beobachtern für Enttäuschung sorgte. Andere Konzepte sind seither diskutiert worden, von kulturellen Nutzungen über kommerzielle Veranstaltungen bis hin zu hybriden Mischformen. Aus Sicht des Fördervereins wäre eine kulturelle Belebung mit einem klaren inhaltlichen Schwerpunkt die naheliegende Lösung, denn die Halle eignet sich aufgrund ihrer Geschichte und ihrer Atmosphäre besonders gut für Veranstaltungen, die das Spannungsfeld von Architektur, Design und Gesellschaft thematisieren.

Mögliche NutzungsideeVorteile
Designmuseum mit WechselausstellungenKnüpft an die Tradition der Colani-Ausstellung an und nutzt die räumlichen Qualitäten
Architekturzentrum mit Vorträgen und DiskussionenWürdigt das Erbe Erich Schellings und schafft einen Diskursort
Kulturhalle für Konzerte, Theater und LesungenBelebt die Innenstadt und erweitert das kulturelle Angebot
Hybrider Standort mit Gastronomie, Werkstätten und VeranstaltungenWirtschaftlich tragfähig und gleichzeitig kulturell strahlend

Bürgerliches Engagement als Schlüssel

Was auch immer die Stadt am Ende beschließt, eines steht fest: Ohne das Engagement der Bürgerinnen und Bürger wird kein noch so guter Plan tragfähig sein. Kulturelle Orte leben davon, dass Menschen sie annehmen, dass sie sich mit ihnen identifizieren und dass sie regelmäßig dorthin zurückkehren. Genau deshalb sind Vereine wie der Förderverein Colani-Museum so wichtig. Sie tragen Themen in die Öffentlichkeit, sie organisieren Veranstaltungen, sie stellen Fragen, die sonst niemand stellt, und sie halten den Dialog mit Politik und Verwaltung in Gang. Wer Lust hat, sich diesem bürgerschaftlichen Engagement anzuschließen, findet auf der Seite Mitgliedschaft alle wichtigen Hinweise. Auch eine einmalige Spende oder die schlichte Weiterempfehlung unserer Anliegen sind wertvolle Beiträge, ohne die wir unsere Arbeit nicht fortsetzen könnten.

Die Nancyhalle ist nicht irgendein Bauwerk. Sie ist ein Kulturdenkmal, das gehört, gesehen und erlebt werden möchte. In den Jahren der Colani-Ausstellung hat sie gezeigt, wozu sie fähig ist, wenn man ihr die Chance dazu gibt. Es liegt nun an uns allen, gemeinsam dafür zu sorgen, dass dieses Potenzial nicht ein zweites Mal verschenkt wird. Wer sich das einmal mit eigenen Augen angesehen hat, weiß, welche Magie ein solcher Ort entfalten kann, wenn er mit Leben gefüllt wird. Diese Magie wieder zu entfachen, ist das erklärte Ziel unseres Vereins, und wir freuen uns über jeden, der diesen Weg mit uns gehen möchte.